Wofür Spanien steht – und warum
Brandy de Jerez – eine eigene Kategorie
Spanischer Brandy ist nicht die spanische Variante von Cognac, sondern eine eigenständige Spirituose mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Der entscheidende Unterschied liegt im Fass: Brandy de Jerez reift ausschließlich in Fässern, die zuvor Sherry enthalten haben. Von dort kommen die Noten, die man in französischem Brandy so nicht findet – Nuss, dunkle Schokolade, getrocknete Früchte, eine leichte Süße ohne Zuckerzusatz.
Das Solera-Verfahren erklärt
Solera bedeutet: Die Fässer stehen in gestaffelten Reihen. Abgefüllt wird immer nur aus der ältesten Reihe, und zwar nie ganz; was entnommen wird, füllt man aus der nächstjüngeren Reihe nach, diese aus der darüberliegenden. Jede Flasche enthält damit Anteile vieler Jahrgänge, und kein Fass wird je vollständig geleert. Der Effekt ist ein über Jahrzehnte gleichbleibendes Geschmacksbild – der Preis dafür ist, dass es keinen Jahrgang gibt. Die Angabe „Gran Reserva” bezeichnet in Jerez die höchste der drei Reifestufen.
Spaniens zweite Rolle: der Tabak
Für ein Fachgeschäft wie unseres ist Spanien aus einem zweiten Grund interessant. Über spanische Häfen kam der Tabak nach Europa, Sevilla war jahrhundertelang das Zentrum des europäischen Tabakhandels, und aus dem spanischen „cigarro” wurde die Zigarre. Auf den Kanarischen Inseln, besonders auf La Palma, werden bis heute Zigarren von Hand gerollt. Spanien ist in dieser Branche also kein Randland, sondern der Ausgangspunkt.
Was dazu passt
Brandy de Jerez und Zigarre sind eine der zuverlässigsten Kombinationen überhaupt: Die Nuss- und Schokoladennoten aus dem Sherryfass treffen auf Röstaromen im Rauch. Mittelkräftige Formate aus der Dominikanischen Republik oder aus Honduras passen besonders gut. Wer die Kombination zum ersten Mal probiert, findet im Zigarren-Einsteiger-Guide die Grundlagen. Alle Länder stehen unter Herkunft, das Gesamtsortiment unter Spirituosen.
Pipe House über Brandy aus Spanien
Brandy de Jerez ist in Deutschland unterbewertet, und das hat einen Grund: Die Kategorie wurde jahrzehntelang über billige Massenware wahrgenommen. Ein Gran Reserva aus einem Haus wie Lustau hat damit nichts zu tun. Man bekommt hier eine Tiefe, für die bei Cognac oder Single Malt deutlich mehr fällig wird – das ist der ehrlichste Grund, diese Flasche zu empfehlen. Wenn Sie bisher bei Cognac geblieben sind, ist das der naheliegende Seitenschritt. Zum Vergleich stellen wir Ihnen im Ladengeschäft gern beides nebeneinander.